Henze & Bachmann bei Brandhorst
München - 'Scheiß auf München, ganz klar und präzis.' Diese Empfehlung gab Hans Werner Henze 1954 der österreichischen Autorin Ingeborg Bachmann. Henze lebte zu dieser Zeit auf Ischia. Dort zog es ihn hin, weg aus dem kalten Deutschland, dorthin wollte er auch Bachmann locken, weg vom Bayerischen Rundfunk; die kam auch, aber nicht zu ihm. Insofern hat die Empfehlung irgendwie gefruchtet. Aber in München wollte Bachmann ohnehin nicht bleiben.
Henze hockt also in Italien, schreibt an Bachmann, sie habe in Nazi-Deutschland nichts zu suchen, schimpft auf die intellektuellen Kretins hier, berichtet, er habe gerade einen Käutner-Film im Kino gesehen ('eine schöne Scheiße') und wolle sich jetzt Pasta asciutta kochen und Wein trinken, um die Neofaschisten in Deutschland zu vergessen. Lustig rumpelt der Komponist durch seine Briefe, Bachmann antwortet mit Klugheit, fast lyrischen Gedanken zu Alltag und Geldverdienen, freut sich an Henzes aufkommenden Erfolg - später wird sie zwei Opernlibretti für ihn schreiben, er wird weitere Gedichte von ihr vertonen - und spricht mit ihm über Musik und Oper.
Die Briefe konnte man nun in Ausschnitten hören, Juliane Köhler und Paul Herwig lasen sie im Museum Brandhorst. Für Momente entsteht dabei immer wieder eine Intimität zwischen den beiden, die weit übers bloße Lesen hinausgeht. Sie lesen viel, und nicht jedes Wort ist interessant. Aber auch große Künstler machen sich mitunter Gedanken über Banales. Bachmann ist zärtlich, Henze grantig und dann wieder haltlos in seinem Überschwang, eine grandiose, liebevolle Zukunft heraufzubeschwören.
Der Ort passt. Im Saal hängen die Rosenbilder von Cy Twombly, auf zweien finden sich, in englischer Übersetzung, Passagen aus Gedichten Bachmanns. Wie Twombly auf Bachmann kam, wird leider nicht erklärt; indes hält ein Mensch, der sich nicht vorstellt, den Brandhorstmuseums-Profis aber wohl kennen, einen Einführungsvortrag über die Rosenbilder und sagt, dass die einen eher blau, die anderen rot sind. Stimmt. Wird nicht geredet, spielt das Ensemble Triolog Musik von Henze, eher frühe Werke in etwa aus der Zeit der Briefe, schönheitstrunkene Poesie, viel netter als manches in seinen Briefen.
Egbert Tholl



